Meisterwerke der Blasmusik (2)
Heute ist ein Stück des wohl bekanntesten australischen Blasmusikkomponisten an der Reihe. Und um wen könnte es sich sonst handeln als um Percy Grainger, eine der exzentrischsten Gestalten der Blasmusikgeschichte. So war er beispielsweise Vegetarier, hasste aber Gemüse, sodass er sich vor allem von Nüssen, Getreide, Eis und Orangen ernährte. Außerdem versuchte er, den italienischen Einfluss in der Musikwelt zurückzudrängen, so verwendet er in seinen Stücken statt der üblichen italienischen Begriffe wie "crescendo" oder "poco a poco" die englischen Pendants "louden" und "bit by bit".
Grainger war ein besonderer Fan von ausufernden Holzbläsersätzen, vier B-Klarinettenstimmen waren eher die Regel als die Ausnahme, und unter drei Oboenstimmen (ok, Englischhorn mitgerechnet) hat er es auch selten gemacht. Zudem kamen nicht selten normalerweise eher ungewöhnliche Instrumente wie die Baritonoboe oder das Kontrabass-Sarrusophon (zu ersetzen durch Kontrabassfagott oder Basssaxophon) zum Einsatz.
Das vorgestellte Stück, "Lincolnshire Posy", ist eine sechsteilige Suite aus Volksliedern, die Grainger in der englischen Grafschaft Lincolnshire aufgezeichnet und für Blasorchester bearbeitet hat. Dabei hat er besonders darauf Wert gelegt, den ursprünglichen Charakter des Liedes sowie des Interpreten zu erhalten. Besonders deutlich wird das im 5. Satz "Lord Melbourne"; wer sagen kann, in welchem Takt der Beginn dieses Stückes steht, gewinnt den großen Preis der Woche.
Die folgenden Videos zeigen den 4., 5. und 6. Satz der Suite. Man beachte besonders die bunte Instrumentierung des Stückes (die leider in diesem Video nicht perfekt zur Geltung kommt, bei Interesse kann ich eine Aufnahme bereitstellen, die in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig lässt, Basssaxophon inklusive).
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