Donnerstag, 26. Januar 2017

Was ist eigentlich "gute" Blasmusik?

Diese Frage kann ja grundsätzlich jeder für sich selbst beantworten, denn "de gustibus non est desputandum". Allerdings gibt es dann doch einige Werke, die nicht mehr als ein Musiker/Zuhörer/Komponist als herausragend bezeichnen würde. Die englische Wikipedia hat dementsprechend eine Liste von Blasorchesterliteratur, in der sogenannte "Cornerstone Works" definiert werden, die als Meilensteine der Blasorchesterliteratur gelten sollen. Dass diese Liste entsprechend amerikalastig ist, sei dahingestellt (was macht Sousas "Semper fidelis" wichtiger als beispielsweise Fuciks "Florentiner Marsch"), aber es ist jedenfalls interessant, wie eine solche Liste zustande kommt. Auf der "Rückseite" dieser Liste wird dementsprechend auch immer wieder diskutiert, ob (und in welcher Kategorie) Stücke aufgenommen werden sollen und wie man den Wert eines Werkes bzw. dessen Relevanz für die Blasorchesterliteratur bewertet. Eine interessante Studie, die in diesem Zusammenhang genannt wurde, ist "An Evaluation of Compositions for Wind Band According to Specific Criteria of Serious Artistic Merit: A Second Update". Hierzu wurden 20 Dirigenten (unter ihnen Donald Hunsberger und Jack Stamp) zu einer Liste von hunderten von Blasorchesterwerken befragt, um Bekanntheit und subjektive Qualität der Stücke zu bewerten - eine insgesamt spannende Aktion, über die es sich mal zu lesen lohnt.

Und was ist nun das "beste" Blasorchesterwerk? Alban Bergs "Kammerkonzert für Klavier, Geige mit dreizehn Bläsern", Dvoraks "Serenade für Blasinstrumente op. 44", Mozarts "Gran Partita", Strawinskys "Concerto für Klavier und Blasorchester" und "Symphonies d’instruments à vent" erreichen in der aktuellen Studie jeweils die Höchstpunktzahl 5,0. Nun kann man bei den Stücken diskutieren, um es sich um Werke für "Blasorchester" im eigentlichen Sinn handelt. Daher habe ich mir die Liste noch einmal genauer angesehen: das beste Werk, das ich selbst schon gespielt habe, ist Graingers "Lincolnshire Posy" mit 4,8 Punkten, unser Wertungsstück 2015, die "English Folk Song Suite", erreicht 4,0 Punkte. Von den aktuelleren Stücken sind Colgrass' "Winds of Nagual", Husas "Music for Prague" und Schwantners "...and the mountains rising nowhere" mit 4,9 Punkten die am höchsten eingeschätztem.

Was heißt nun das alles? Im Grunde nichts, da wie eingangs erwähnt jeder selbst wissen muss, was ihm gefällt. Aber immerhin hat sich der Ersteller der ursprünglichen Studie Gedanken darüber gemacht, nach welchen Kriterien er Werke "bewerten" würde:

  1. Die Komposition hat Form, sie ist organisiert 
  2. Die Komposition macht den Eindruck, nicht "zufällig" entstanden zu sein
  3. Die Komposition ist gut arrangiert, Klangfarben werden balanciert eingesetzt
  4. Die Komposition ist in gewissem Maße unvorhersehbar und nicht sofort erfassbar
  5. Der Weg, auf dem die Komposition ihr musikalisches Ziel erreicht wird, ist nicht gerade
  6. Die Komposition ist durchgängig gleich hochwertig, kein Teil sticht heraus
  7. Die Komposition hat einen durchgängigen Stil, wird nicht trivial oder unpassend
  8. Die Komposition hat etwas "Besonderes", "Eigenartiges"
  9. Titel und Werk passen zusammen
  10. Die Komposition ist nicht nur pädagogisch oder historisch wertvoll
Nun kann jeder seine eigene "Wertungsliste" anlegen und überlegen, wo darin die "Südböhmische" wiederzufinden ist.

Da das Thema diesmal etwas trockener war als üblich, gibt es zur Belohnung eine Aufnahme des oben erwähnten Stücks "Lincolnshire Posy", gespielt vom Eastman Wind Ensemble unter Frederick Fennell:

Mittwoch, 18. Januar 2017

Saxophone in der österreichischen Blasmusik? (2)

"Über dieses Thema brachte Kapellmeister Emil R a m e i s [...] Gedanken zum Ausdruck, denen ich nicht ganz beistimmen kann. [...] Hierzu einmal ein offenes Wort: Wir österreichischen Blasmusiker müssen endlich aufhören, nur von der Tradition zu leben. [...] Es schadet der österreichischen Blasmusik-Klangfarbe in keiner Weise, wenn wir versuchen, neue Register hinzuzufügen. Dies hat mit 'Amerikanismus' gar nichts zu tun. Das Saxophon ist ein durchaus europäisches Instrument und im Satz verwendet, bildet es ein ausgezeichnetes Verbindungsregister zwischen Holz- und Blechbläsern. [...] Auch Oboen und Fagotte, sowie Alt- und Baßklarinetten würden zur Bereicherung der Klangfarben beitragen. [...] Nicht an der Besetzung soll man uns Österreicher erkennen, sondern am Musizieren."

- Sepp Tanzer, in Österreichische Blasmusik, 5. Jahrgang 1957, Nummer 5. 


Hier wurde also schon vor 60 Jahren kontrovers über die musikalische Ausrichtung der (österreichischen) Blasorchester diskutiert. Wer wissen will, ob und wie es weitergeht, muss sich allerdings selbst in die Oö. Landesbibliothek bemühen - beim letzten Ausflug dorthin hat die "IG Blasmusikforschung" (= Stefan H. und ich) die Recherche an dieser Stelle eingestellt, auch weil die anderen Besucher der Bibliothek unser mühsam verkniffenes Lachen (Artikel "Umschulungskurs für Trompeter" zum Thema Es-Trompeten-Notation, "So etwas soll nicht passieren" über die Probleme schlechter öffentlicher Auftritte - wäre einen eigenen Blogeintrag wert) ev. gestört haben könnte.

Dienstag, 17. Januar 2017

Saxophone in der österreichischen Blasmusik? (1)

"Mitunter trifft man österreichische Blaskapellen, die in ihrer Konzertbesetzung Saxophone besetzt haben. [...] Was spricht für eine solche Neueiführung und was spricht d a g e g e n ? Dafür spricht, daß durch die Hinzufügung einer Saxophongruppe die bisherige, an Klangregistern gewiß nicht sehr reiche Besetzung um eine neue Klangfarbe bereichert würde. Doch frage es sich dabei: Welche Stimmen sollen die Saxophone nun blasen? Man könnte doch damit nur die Flügelhorn-, Baßflügelhorn- und Euphoniumstimmen v e r d o p p e l n, sonst nichts.[...] Unsere weit gebauten Flügelhörner, Baßflügelhörner und Euphonien klingen ohnehin weich und füllig genug und bedürfen daher keiner weiteren klanglichen Milderung durch Saxophone. [...] Wem von uns würde es gefallen, wenn eine Kapelle ihre schöne Heimattracht gegen etwa eine amerikanische Uniform vertauschen würde? Aber in der Besetzung sollen wir die anerkannt schöne österreichische Blasmusik-Klangfarbe gegen eine ausländische eintauschen? [...] Unsere österreichische Militärmusik-Besetzung ist mehr als hunder Jahre alt, ihre Klangfarbe ist seither zu einem festen Begriff, zu einer ganz bestimmten Klangvorstellung geworden, in die der weichliche, zu sehr an Tanzmusik erinnernde Saxophonklang nicht recht hineinpassen will."

- Emil Rameis, in: Österreichische Blasmusikzeitung, 5. Jahrgang 1957, Doppelnummer 3/4.


Was Sepp Tanzer wohl dazu zu sagen hat?

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Sachen gibts...

Ohne Worte. Oder doch: hat jemand so ein Teil in seinem Besitz?

Dienstag, 20. September 2016

Wiki-Chaos

Heute hatte ich aus irgendeinem Grund wieder einmal Lust, mich auf Wikipedia nach blasmusikrelevanten Themen umzusehen. Leider ist das Bild dort relativ traurig - Artikel sind veraltet oder stellen ein heilloses Durcheinander von Besetzungen, musikalischer Ausrichtung und Herkunft dar, deren Wurzel der Eintrag zum Thema Blasmusik ist. Da bekommt man doch wirklich Lust, sich in das Thema einzulesen!

Aber ernsthaft - falls jemand Lust hat, diese Artikel zu verbessern - Wikipedia kann von jedermann editiert werden, das ist auch nicht so schwer, wie man glauben möchte. Ein guter Einstieg sind z.B. die Werksübersichten relevanter Komponisten - dazu gibt es sicher gute Quellen auf den Verlagsseiten und betreffenden Homepages.

Mittwoch, 2. September 2015

Death by trombone

Ein interessantes Marching Band-Video habe ich noch (wie ich darauf gekommen bin, kann ich nicht sagen, aber es hat mit einem "ermordeten" Kapellmeister zu tun:



Diese Art von Show nennt sich übrigens "Trombone Suicide" - wohl, weil bei jedem Fehler die Posaune ein Fall für den Schrotthändler ist.

Sonntag, 23. August 2015

Wieder mal die Marching Bands...

Die Marschwertungssaison ist vorbei, deswegen gibt es heute auch nur ein Marching Band-Video - das ist dafür aber besonders gut gelungen. Inhalt sind die bekanntesten amerikanischen TV-Shows; es dürfte aber keinem schwer fallen, die ein oder andere Melodie zu erkennen, sind doch die meisten Serien auch bei uns über den Äther gegangen:

Und, wer erkennt die meisten Stücke?